Sarah und ihr 1. JUNGFRAU-MARATHON

Sarah Scho wollte am 06. September gemeinsam mit Rolf Ebbing ihren 1. Jungfrau-Marathon im Berner Oberland laufen.
Beim Jungfrau-Marathon handelt es sich um einen Berglauf über die klassische Marathondistanz. Es geht von Interlaken in 567 müM bis ins Ziel am Eigergletscher nur bergauf. Derartige Läufe sind hammerhart und führen die Läufer/innen schnell an die Grenze ihrer Leistungsfähigkeit. Erholungsphasen in Form von flachen Abschnitten und sanfte Steigungen sind selten oder es gibt sie gar nicht. Dadurch hat man zwischendurch kaum Gelegenheit sich zu erholen. Ich bin ein absoluter Fan von solchen ECHTEN BERGLÄUFEN!!
Einige Tage vor dem Start erwischte mich ein Infekt mit Husten, Halsschmerzen und Fieber. Ich musste meinen Start absagen. Sarah nahm diese Nachricht gelassen auf und sagte: „Ich kann das Ding auch ohne dich laufen!“
Da Sarah mit derartigen Läufen keine Erfahrung hatte, stellten wir unsere Laufplanung komplett um. Wir hatten eine Zielzeit von 6:30 h geplant und orientierten Sarahs Lauftempo an die Tabelle mit den Durchgangszeiten des Veranstalters. Bei den Durchgangszeiten werden die extrem unterschiedlichen Steigungen berücksichtigt. Die ersten 21,1 km (Halbmarathon-Distanz) sind relativ flach mit nur 250 HM. Dafür hat Sarah 2:35 h Zeit und muss mit einer Pace von 7:21 (min/km) laufen. Das ist nicht wirklich schnell und verführt viele Läufer/innen schneller zu laufen.
Die Quittung dafür kommt sehr zeitnah ab km 25,9. Ab dort geht es ins Hochgebirge und nur noch steil bergauf. Ich habe Sarah angewiesen auf keinen Fall schneller zu laufen und vor den Folgen eindringlich gewarnt.
Wirklich interessant wird die Tabelle mit den Durchgangszeiten im Hochgebirge. Für die letzten 3,7 km bis ins Ziel werden 57 Minuten ausgewiesen. Eine scheinbar unendlich lange Zeit für diese kurze Distanz. Aber die Strecke ist extrem schwer zu laufen und hammerhart. Es sind noch 465 HM und die steile Bergankunft ins Ziel zu bewältigen. Auf diesem letzten Abschnitt spielen sich viele Dramen ab: Läufer/innen kollabieren, werden von Krämpfen geplagt oder sind so erschöpft, dass es nicht mehr weiter geht. Für diesen 3,7 km langen Anstieg reicht für Sarah eine Durchschnittspace von 15:24 (min/km).
Sarah und ich haben die Jungfrau-Marathon-App auf unseren Handy´s installiert. Mit dieser App kann man den eigenen Lauf und den Lauf befreundeter Läufer/innen sekundengenau verfolgen. Damit hätte ich Sarahs ggfs. durch Anweisung korrigieren können.
Aber: Sarah lief das Rennen so zuverlässig wie ein Schweizer Uhrwerk!

Korrektur der Pace war zu keinem Zeitpunkt nötig. Sarahs von der App hochgerechnete Zielzeit war für die ganze Zeit des Laufs 6:29 +/-1Min. Das nenne ich eine PUNKTLANDUNG.
Fazit: Nach dem Lauf und den folgenden Tagen habe ich Sarah zu ihrem Befinden befragt.
Hier ihre Antworten:
direkt nach dem Lauf: Ich wusste schon vorher, dass es hammerhart werden wird, aber dass es so hart wird, hätte ich mir NICHT vorstellen können. Ob ich mir diese Quälerei noch einmal antue, weiß ich nicht.
der Tag nach dem Jungfrau-Marathon: Stolz & gestärkt – ein Erlebnis, das bleibt!
am gleichen Tag – abends: JA, ich würde den Berg nochmal hochlaufen.
zwei Tage nach dem Jungfrau-Marathon: Ich habe heute komischerweise wirklich keinen Muskelkater. Ich könnte schon wieder laufen….

Bericht von Rolf Ebbing